Zu Hause gelten die einen Regeln, draußen die anderen. Man übersetzt für die Eltern beim Arzt, kennt Formulare besser als sie, und wird gleichzeitig behandelt wie ein Kind. Diese Doppelrolle kostet Kraft — und wird selten benannt.
Der Loyalitätskonflikt
Viele junge Menschen der zweiten Generation erleben etwas, das in der Psychologie Loyalitätskonflikt heißt: Jeder Schritt in die eine Richtung fühlt sich wie ein Verrat an der anderen an.
Sich anpassen wirkt wie Abwendung von der Familie
Bei der Familie bleiben wirkt wie Verzicht auf das eigene Leben
Beides gleichzeitig zu wollen ist kein Widerspruch. Es ist die realistische Beschreibung der Lage.
Nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch" — das ist keine Ausweichbewegung, sondern die eigentliche Aufgabe.
Was Eltern oft nicht sehen
Eltern, die selbst migriert sind, haben meist große Anpassungsleistungen erbracht. Ihre Sorge um die Kinder ist echt. Was sie oft nicht sehen: Ihr Kind bewegt sich in einer Welt, die sie nie aus derselben Perspektive erlebt haben.
Was in Gesprächen hilft
Beschreiben statt vorwerfen. "Ich fühle mich zerrissen" öffnet ein Gespräch, "Ihr versteht mich nie" schließt es.
Die Sorge anerkennen. Hinter Strenge steht fast immer Angst, nicht Ablehnung.
Kleine Vereinbarungen. Ein konkreter nächster Schritt bringt mehr als eine Grundsatzdebatte.
Begleitung in beiden Sprachen
Gerade in Familien, in denen Eltern und Kinder unterschiedlich sicher in Persisch und Deutsch sind, hilft eine Begleitung, die beide Sprachen und beide kulturellen Selbstverständnisse kennt.
Gespräche sind einzeln oder gemeinsam mit der Familie möglich — je nachdem, was passt.
Weiterlesen: Pubertät verstehen: Eltern und Jugendliche
